Familienzentren sind finanziell am Limit
Wilhelmshaven - Trotz größter Bemühungen lässt sich der gewohnte Standard nicht mehr halten: Steigende Kosten und eine große Finanzierungslücke zwingen die vier Familienzentren dazu, erste Angebote zu streichen. Weil der Rat der Stadt Wilhelmshaven ein höheres Budget abgelehnt hat, setzen die Zentren ihre Hoffnung nun auf das Netzwerk Familienarbeit Niedersachsen.
Sie unterstützen eine aktuelle Petition, die eine nachhaltige finanzielle Förderung durch das Land fordert. Dabei hoffen die Verantwortlichen auf breite Unterstützung aus der Bevölkerung.
Claudia Lehnort (Leiterin der EFB), Alexander Witton (Geschäftsführer Caritas) und Tanja Kiefer (Leiterin Jugendhilfeverbunds GPS), hoffen auf viele Unterstützer.@Dirk Gabriel-Jürgens
Breites Bündnis fordert Verlässlichkeit
In ihrer aktuellen Petition plädiert das Netzwerk Familienzentrumsarbeit Niedersachsen für eine zeitnahe, nachhaltige und langfristige finanzielle Unterstützung, um die Familienarbeit im Land zu stärken und weiterzuentwickeln. Ein begleitendes Eckpunktepapier unterstreicht diese Forderungen. Neben der offiziellen Anerkennung von Familienzentren als unverzichtbare Säule der sozialen Infrastruktur wird darin insbesondere eine verlässliche und dauerhafte Finanzierung durch das Land Niedersachsen gefordert.
Dieser Petition schließen sich auch die vier Familienzentren der Stadt an, da es für sie zunehmend schwerer wird, den laufenden Betrieb zu sichern. Hinter den Einrichtungen stehen vier verschiedene Träger: Die Gemeinnützigen Gesellschaft paritätischer Sozialarbeit (GPS), SOS-Kinderdorf Wilhelmshaven-Friesland, der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Friesland-Wilhelmshaven (EFB) und der Caritasverband Wilhelmshaven-Friesland.
"Wir werden Angebote und auch Öffnungszeiten einschränken müssen", warnt Tanja Kiefer, Leiterin des Jugendhilfeverbunds der GPS. Die Konsequenzen sind bereits spürbar: Im Familienzentrum Ost fällt nach den Sommerferien die Hausaufgabenhilfe weg. Das Angebot, das rund zehn Kindern neben der Lernhilfe auch ein warmes Mittagessen bot, kann wegen einer auslaufenden Förderung nicht weitergeführt werden - obwohl die Warteliste lang war. Und das ist erst der Anfang,denn viele weitere Projekte stehen auf der Kippe. Im Familienzentrum West wackelt eine Eltern-Kind-Gruppe.
Zwar wurde ein neuer Förderantrag gestellt, doch die Chancen stehen aktuell schlecht, wie Claudia Lehnort, Leiterinder EFB, erklärt.
Massive Kostenentwicklung
Obwohl die Stadt Wilhelmshaven ihren Gesamtzuschuss für die Familienzentren 2025 leicht erhöht hat, hält diese Förderung nicht mit der massiven Kostenentwicklung Schritt. Dadurch entsteht ein Finanzierungsdefizit von rund 316.400 Euro. "Diese Kosten müssen wir mühsam über Spenden, Fördermittel und Eigenanteile kompensieren", sagt Alexander Witton, Geschäftsführer des Caritasverbands.
"Aber Fördermittel sind kein Allheilmittel. Wir brauchen eine verlässliche Finanzierung." Dabei gehe es nicht um den Ausbau zusätzlicher Leistungen. "Aktuell geht es nur darum, die bestehende Arbeit zu sichern", betont Witton. Die Petition "Stärkung und Weiterentwicklung der Familienzentrumsarbeit in Niedersachsen" kann online über die Seite des Niedersächsischen Landtages aufgerufen und unterzeichnet werden.