Immer mehr Schwangere suchen Hilfe
Wilhelmshaven - Die Nachfrage nach Schwangerschaftsberatung im Landesverband der Caritas ist im Jahr 2025 spürbar gestiegen. Wie der Verband in einer Pressemitteilung bekannt gab, suchten mehr als 1.895 Ratsuchende die Beratungsstellen zwischen der Küste und den Dammer Bergen auf. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in Wilhelmshaven. Alexander Witton, Geschäftsführer der Caritas im Dekanat Wilhelmshaven, bestätigt diesen Trend für seinen Standort: Mit einem Zuwachs von 200 Beratungen verzeichnete Wilhelmshaven im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um etwa 30 Prozent.
Der Landesverband der Caritas verzeichnet in den sechs Schwangerschaftsberatungsstellen einen Zuwachs. Auch in Wilhelmshaven ist der Bedarf groß. @DPA
Wirtschaftliche Not bei Frauen oft groß
"Die Problemlagen der Ratsuchenden sind deutlich komplexer geworden. Oft ist mehr als nur ein Gesprächstermin notwendig", erklärt Witton. In Wilhelmshaven wandten sich im vergangenen Jahr 334 ratsuchende Frauen und Familien an die Caritas. 30 Prozent der Klientinnen waren minderjährig oder sehr jung. Damit stelle die Beratung junger Schwangerer weiterhin einen zentralen Schwerpunkt der Beratung dar.
Die Gründe für den Anstieg seien vielfältig. Alles in allem habe die Not zugenommen, wird Rita Schute, Referentin für Frauen und Familie beim Landes-Caritasverband, in der Pressemitteilung des Verbands zitiert. Diese Einschätzung teilt Witton. 35 Prozent der Ratsuchenden im vergangenen Jahr hätten Leistungen nach SGB II bezogen. Damit sei mehr als jede dritte Familie auf staatliche Unterstützung angewiesen. "Das ist ein deutlicher Hinweis auf eine angespannte wirtschaftliche Gesamtsituation der Schwangeren und ihrer Familien." Erschwerend würde hinzukommen, dass ein Fünftel der werdenden Mütter alleinerziehend sei. Eine negative Entwicklung sehe er ebenso darin, dass auch vollbeschäftigte Frauen als sogenannte "Aufstockerinnen" ergänzende Leistungen nach SGB II beziehen müssten. "Davon sind wiederum besonders Alleinerziehende betroffen."
Mit Sorge blicke man auch darauf, dass 66 Prozent der Frauen, die die Schwangerschaftsberatung in Anspruch nahmen, über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten. "Das bedeutet aber nicht, dass diese Frauen nicht arbeiten", stellt Witton klar.
Oft seien sie trotz fehlender Abschlüsse erwerbstätig, würden aber dennoch in Notlagen geraten. Fakt sei aber, dass das Fehlen eines Abschlusses die Chancen auf einen beruflichen Aufstieg oder einen späteren Quereinstieg verringere. Doch nicht jede Frau, die die Beratung aufsuche, befinde sich in Notlagen, erklärt der Geschäftsführer. Schließlich stelle eine Schwangerschaft das Leben vieler Frauen vor eine neue Lebensphase.
Finanzielle Hilfe durch Bundesstiftung
Das Angebot der Schwangerschaftsberatung ist kostenlos. Vor Ort können Frauen finanzielle Hilfe über die Bundesstiftung "Mutter und Kind" erhalten. Mit rund 770.000 Euro aus der Bundesstiftung konnten im vergangenen Jahr 970 Frauen in den sechs Schwangerschaftsberatungsstellen des Landes-Caritasverbands unterstützt werden. Dazu kamen 53.000 Euro aus kirchlichen Stiftungen aus dem Offizialat Oldenburg.