Petition für Familienzentren verfehlt Ziel
Wilhelmshaven- Familienzentren als unverzichtbare Säule der sozialen Infrastruktur anerkennen und ihre Finanzierung durch das Land Niedersachsen dauerhaft sichern: Das waren die Kernforderungen einer aktuellen Petition des Netzwerks Familienzentrumsarbeit Niedersachsen. Auch die vier Wilhelmshavener Familienzentren machten kurz vor den Sommerferien noch einmal mobil, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen.
Doch das Ziel wurde nicht erreicht. Claudia Lehnort, Geschäftsführerin der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Friesland-Wilhelmshaven, als eine der Trägerinnen, zieht trotzdem eine positive Bilanz.
Hatten vor gut einem Monat für die Petition geworben und auf mehr Unterschriften gehofft (von links): Claudia Lehnort (Leiterin der EFB), Alexander Witton (Geschäftsführer Caritas) und Tanja Kiefer (Leiterin Jugendhilfeverbunds GPS).@Dirk Gabriel-Jürgens
Anerkennung aus der Region
Nur 1542 Unterschriften verzeichnete die Petition niedersachsenweit. Damit diese aber überhaupt im Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtags zur Diskussion stehen kann, hätte es 5000 Unterschriften gebraucht. "Das notwendige Ziel wurde für eine öffentliche Vorstellung leider nicht erreicht. Trotzdem hat die Petition Aufmerksamkeit erzeugt", findet Lehnort. Damit habe man der Landespolitik gezeigt, dass ein wichtiger Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe, Prävention und gesellschaftlichem
Zusammenhalt geleistet werde.
Doch Lehnort sieht noch einen weiteren positiven Aspekt. "Besonders gefreut habe ich mich über das vergleichsweise starke Engagement in Wilhelmshaven." Mit 151 Unterschriften war Wilhelmshaven - gemessen an der Bevölkerungszahl - eines der drei Haupteinzugsgebiete neben Braunschweig (186) und Hannover (274).
Einmalige Struktur in der Stadt
Laut Lehnort unterstreiche dieses Ergebnis, dass die Anliegen von Familien vor Ort gesehen und gefördert werden. Über das große Engagement der Wilhelmshavener freut sich auch Caritas-Geschäftsführer Alexander Witton.
Der Caritasverband gehört ebenso wie die EFB, das SOS-Kinderdorf Wilhelmshaven-Friesland und die Gemeinnützige Gesellschaft für paritätische Sozialarbeit (GPS) zu den Trägern der vier Familienzentren. "Es ist natürlich schade, dass die Petition die Anzahl der Unterschriften nicht erreicht hat. Ich bin allerdings absolut beeindruckt darüber, dass überdurchschnittlich viele in der Stadt die Petition unterstützt haben", betont Witton. Das zeige, wie sehr die Familienzentren in Wilhelmshaven verwurzelt seien.
Das sieht auch Tanja Kiefer, Leiterin des Jugendhilfeverbunds der GPS, so. Dass die Petition das Ziel von 5000 Stimmen verfehlte, führt sie auch auf die unterschiedliche Interpretation des Begriffs Familienzentrum in Niedersachsen zurück. Während die Einrichtungen in Wilhelmshaven in vier Sozialräumen ein breites Spektrum abdecken - von Pädagogik, Bildung und Lebensberatung bis hin zu Kreativ und Sportangeboten -, beschränke sich das Konzept andernorts häufig auf reine Eltern-Kind-Treffs.
"Wir haben hier eine sehr einmalige Struktur, auf die wir sehr stolz sind", betont Kiefer. Doch für die Familienzentren werde zunehmend schwerer, den laufenden Betrieb zu sichern.
Direkte Hilfe für die Familienzentren bringen laut Kiefer vor allem Spendengelder. Flexible, nicht zweckgebundene Mittel und Förderungen seien ideal, da sie sich auch für Betriebsmittel nutzen lassen würden.
Einsparung treffen auch Nachwuchs
Als erste Konsequenz wird die duale Studienstelle im Familienzentrum Nord nicht neu besetzt. "Unsere derzeitige Studentin der Berufsakademie macht im kommenden Jahr ihren Abschluss. Eine Nachbesetzung ist danach nicht möglich", erklärt Kiefer. Das sei besonders bitter: Während überall Fachkräftemangel herrsche, fehle hier das Geld, um den eigenen Nachwuchs auszubilden.